Zwischen Hofburg und Burgtheater, nur ein paar Schritte vom Trubel der Ringstraße entfernt, liegt einer der schönsten Rückzugsorte der Wiener Innenstadt: der Volksgarten. Im Frühsommer duftet es hier nach Rosen, rund 3.000 Rosenstöcke säumen Wege und Beete, von historischen Sorten bis zu modernen Züchtungen. Ein Spaziergang hier ist ein kleiner Urlaub mitten in der Stadt.
Wann blühen die Rosen im Volksgarten?
Die Hauptblüte beginnt meist Ende Mai und reicht bis in den Juni, je nach Wetter ein paar Tage früher oder später. Am schönsten ist ein Besuch am frühen Morgen oder am Abend, wenn das Licht weich wird und die Bänke rund um die Beete noch frei sind. Die meisten Rosen stehen zwischen dem Eingang beim Burgtheater und dem Grillparzer-Denkmal, viele weitere säumen als Hochstämme die Wege.
Im Winter bietet der Volksgarten übrigens ein recht skurriles Bild. Ende November, Anfang Dezember werden die Hochstammrosen zurückgeschnitten, entlaubt und mit Papier und Jutesäcken gegen den Frost eingepackt. Dann stehen sie da wie vermummte Wächter und warten auf den Frühling.
Ein Garten für das Volk
Der Volksgarten verdankt seine Entstehung Napoleon. Als die französischen Truppen 1809 Wien verließen, sprengten sie die Burgbastei. Auf dem frei gewordenen Gelände entstand nach Plänen von Ludwig Gabriel Rémy ein Garten, der am 1. Mai 1823 eröffnet wurde, als erster Garten des Kaiserhauses, der von Anfang an für die Öffentlichkeit gedacht war. Heute betreuen ihn die Österreichischen Bundesgärten.
Mitten im Garten steht der Theseustempel, den Peter von Nobile zwischen 1820 und 1823 nach dem Vorbild des Theseion in Athen errichtete. Er wurde für Antonio Canovas Theseus-Gruppe gebaut, ein Sinnbild des Sieges über Napoleon, die 1890 ins Kunsthistorische Museum übersiedelte. Heute zeigt das Museum im Tempel zeitgenössische Kunst. An der Stelle des Cortischen Kaffeehauses, in dem einst Joseph Lanner und Johann Strauss Vater aufspielten, steht heute ein Bau von Oswald Haerdtl aus den 1950er-Jahren, in dem abends getanzt wird.
Rosen für Sisi
In einem stillen, etwas abgelegenen Teil des Gartens erinnert das Kaiserin-Elisabeth-Denkmal an Sisi. Friedrich Ohmann und Hans Bitterlich schufen es aus Laaser Marmor, enthüllt wurde es am 4. Juni 1907, während Mädchen in griechischen Gewändern Rosen streuten. Das Grillparzer-Denkmal, 1889 enthüllt, erinnert an den großen Dramatiker des Burgtheaters gleich gegenüber.
Eine Rose mit Widmung
Für Romantiker haben die Bundesgärten eine schöne Idee: die Rosenpatenschaft. Für einmalig 380 Euro übernimmt man für fünf Jahre die Pflege einer Rose im Volksgarten und kann auf Wunsch ein Schild mit einer persönlichen Widmung anbringen lassen, dazu gibt es eine Urkunde. Die Rosen sind sehr begehrt und derzeit alle vergeben, eine Anfrage lohnt sich trotzdem, und auch in Schönbrunn gibt es Patenschaften. Alle Informationen finden Sie bei den Österreichischen Bundesgärten.
Gut zu wissen
Der Volksgarten ist von April bis Oktober täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet, im März von 7 bis 19 Uhr und von November bis Februar von 7 bis 17.30 Uhr. Hunde und Fahrräder müssen draußen bleiben.
Möchten Sie Wiens grüne Seite mit mir erleben? Bei meiner Erlebnisführung Grüne Glücksorte in Wien zeige ich Ihnen meine liebsten Gärten, Innenhöfe und versteckten Oasen, viele davon aus meinem gleichnamigen Buch. Und bei der Führung durch Hofburg und Sisi Museum liegt der Volksgarten gleich nebenan.






