Joseph Haydn starb am 31. Mai 1809 in seinem Haus in Gumpendorf, dem heutigen Haydnhaus in der Haydngasse. Wien war damals von Napoleons Truppen besetzt, und so fiel das Begräbnis am 1. Juni auf dem Hundsturmer Friedhof schlicht aus. Wo damals die Gräber lagen, ist heute der Haydnpark in Meidling. Wenige Tage später war der berühmteste Komponist seiner Zeit nicht mehr vollständig.
Ein Kopf für die Wissenschaft
Am 4. Juni öffneten Johann Nepomuk Peter und Joseph Carl Rosenbaum mit Hilfe des Totengräbers das Grab und nahmen den Kopf an sich. Beide waren Anhänger von Franz Joseph Gall, der glaubte, an der Form des Schädels Begabungen ablesen zu können. Galls Vorlesungen waren in Wien schon 1801 verboten worden, seine Ideen faszinierten trotzdem weiter. Rosenbaum notierte trocken in seinem Tagebuch: „Es roch heftig.“
Die Odyssee eines Schädels
Aufgefallen ist der Diebstahl erst 1820, als Fürst Esterházy den Leichnam nach Eisenstadt überführen ließ. Im Sarg lag nur noch die Perücke. Rosenbaum übergab daraufhin einen Ersatzschädel, den echten behielt er. Über mehrere Stationen, darunter der berühmte Pathologe Carl von Rokitansky, gelangte der Schädel 1895 in die Gesellschaft der Musikfreunde, also ins Haus des Musikvereins. Erst am 5. Juni 1954 wurde er in der Bergkirche in Eisenstadt feierlich mit dem Körper vereint: Kardinal Innitzer segnete ihn, der Wagenzug fuhr über Haydns Geburtsort Rohrau, und bei der Beisetzung erklang die Kaiserhymne, deren Melodie Haydn komponiert hatte.
Musik in Wien
Haydn, Mozart, Beethoven: Kaum eine Stadt ist so eng mit der Musikgeschichte verwoben. Bei unserer Musikführung rund um die Staatsoper erzählen wir von Komponisten, Orchestern und Anekdoten, und auf dem Zentralfriedhof besuchen wir die Ehrengräber von Beethoven, Brahms, Schubert und Johann Strauss.






