Heute bringt in Wien, wie in ganz Österreich, das Christkind die Geschenke am Heiligen Abend. Das war aber nicht immer so. Wer im alten Wien auf Gaben hoffte, musste nicht bis Weihnachten warten: Bis ins 19. Jahrhundert brachte sie der heilige Nikolaus, am Abend des 5. Dezember. Noch 1817 hielt die Wiener Schriftstellerin Karoline Pichler fest, dass in Wien der Nikolaus die Geschenke bringe.
Nikolo und Krampus
Der Nikolo kam selten allein. Seit der Barockzeit trat er gemeinsam mit dem Krampus auf, ein Duo, das die Wiener theatralisch und durchaus komödiantisch ausbauten. Wiener Quellen beschreiben schon im 17. Jahrhundert, wie die beiden am Vorabend des Nikolaustags die Häuser besuchten. Geschenke für die braven Kinder, die Rute für die anderen: Den Aufklärern unter Joseph II. war das pädagogisch nicht ganz geheuer, sie gingen mit dem Spektakel hart ins Gericht. Verschwunden ist der Krampus trotzdem nie, schon in den 1860er-Jahren sprach man von einem regelrechten „Krampusmarkt“ in den Geschäften.
Ein ausgelassenes Fest
In protestantischen Gegenden hatte schon seit Luther der „Heilige Christ“ den Nikolaus als Gabenbringer abgelöst, daraus wurde später das engelsgleiche Christkind. Im katholischen, barocken Wien ging es zu Weihnachten dagegen noch recht ausgelassen zu. Vor der Christmette fand man viele Wiener in den Weinschenken und Gasthäusern, und so mancher versäumte die Messe oder musste sie wegen Unwohlseins vorzeitig verlassen.
Das Christkind übernimmt
In den 1830er-Jahren setzte sich in Wien schließlich das Christkind durch, und mit ihm der Christbaum, der die Krippe als Mittelpunkt des Festes ablöste. Der Heilige Abend wurde zum Familienfest mit Geschenken unter dem geschmückten Baum. Wann und bei wem in Wien der erste Christbaum stand, erzählen wir im Beitrag über den ersten Christbaum und die Geheimpolizei.
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