Ob nach dem Opernabend oder nach einer langen Nacht: Am Würstelstand trifft sich Wien, der Frack neben der Arbeitsjacke, die Burenwurst in der einen, den Senf in der anderen Hand. Seit 2024 steht die Wiener Würstelstandkultur im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.
Vom Würstelmann zum Standl
Lange bevor es feste Stände gab, zogen in Wien Garköche durch die Straßen. Im 19. Jahrhundert verkaufte der „Würstelmann“ heiße Würstel aus einem Kessel oder von einem Karren. Wie bei den Tabaktrafiken gingen die Konzessionen häufig an Kriegsinvalide, denen der Stand ein Auskommen sicherte. Erst 1969 wurden in Wien fixe Stände erlaubt, bis dahin mussten sie beweglich bleiben. Der älteste erhaltene Stand, der Würstelstand Leo am Döblinger Gürtel, stammt aus dem Jahr 1928.
Eine Eitrige, bitte
Die Burenwurst verdankt ihren Namen, so erzählt man, der Begeisterung der Wiener für die Buren um 1900. Der heutige Klassiker ist jünger: Die Käsekrainer mit ihren Käsestückchen im Brät wurde in den 1970er-Jahren in Buchkirchen bei Wels erfunden und eroberte rasch die Wiener Stände. Wer wie ein Einheimischer bestellen möchte, sagt: „A Eitrige mit an Bugl, an Gschissenen und an Sechzehner-Blech.“ Übersetzt heißt das: eine Käsekrainer mit dem Brotscherzl, süßem Senf und einer Dose Ottakringer Bier. Die Frage „Süß oder scharf?“ gilt übrigens dem Senf.
Auch prominente Gäste wussten den Würstelstand zu schätzen: Orson Welles verewigte sich im Gästebuch des Standes beim Stephansdom und lobte die Burenwurst. Und bei der Weltausstellung 1935 in Brüssel präsentierte sich Österreich mit einem Würstelstand als Sinnbild für Gastfreundschaft.
Wien zum Kosten
Würstel, Brot und Senf gehören für uns genauso zu Wien wie Melange und Mehlspeis. Bei der Kulinariktour Wien typisch kosten wir uns durch die Stadt, und in unseren Wien Tipps verraten wir unsere liebsten Würstelstände.






