Ein junges Reh lernt von seiner Mutter die Geheimnisse und Gefahren des Waldes kennen: „Bambi“ erschien 1922 als Fortsetzungsroman in der Neuen Freien Presse und 1923 als Buch. Sein Autor war Felix Salten, eigentlich Siegmund Salzmann, 1869 in Pest geboren und in Wien aufgewachsen, Journalist, Theaterkritiker und Teil des Kreises Jung-Wien rund um Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal.
Vom Reh zum Weißwedelhirsch
1933 verkaufte Salten die Filmrechte für ganze 1.000 Dollar. Über den Produzenten Sidney Franklin kamen sie zu Walt Disney, und 1942 lief „Bambi“ im Kino an. Aus dem europäischen Reh wurde dabei ein amerikanischer Weißwedelhirsch, als Modelle reisten zwei Kitze aus Maine ins Studio. Salten, der 1939 vor den Nationalsozialisten nach Zürich geflohen war, starb dort 1945.
Und die Mutzenbacher?
1906 erschien anonym ein Roman, der in Wien bis heute berüchtigt ist: die „Josefine Mutzenbacher“, die angebliche Lebensgeschichte einer Wiener Prostituierten. Bald hieß es, Salten habe ihn geschrieben. Schnitzler wies das Gerücht entschieden zurück, Salten selbst spielte zeitlebens damit. Bewiesen wurde die Urheberschaft nie, eine Studie aus dem Jahr 2023 nennt sogar einen anderen Kandidaten, den Journalisten Ernst Klein. Als Saltens Erben später vor Gericht als Erben des Autors auftreten wollten, verloren sie. Pikant bleibt es trotzdem: In Saltens Nachlass fand sich tatsächlich eine erotische Erzählung aus seiner Feder.
Wien um 1900
Salten, Schnitzler, Freud, Klimt: Das Wien der Jahrhundertwende war eine Stadt, in der Kunst, Wissenschaft und Skandal Tür an Tür wohnten. Bei unserer Tour Wien 1900 zu Fuß gehen wir den Spuren dieser Zeit nach, und die Spezialführung Jüdisches Wien erzählt von den Menschen, die diese Epoche geprägt haben und von denen viele später fliehen mussten.






