Lange bevor es Sperrstundenverordnungen und Handywecker gab, hatte Wien eine Glocke, die den Wirten sagte, wann Schluss ist. Schon das Wiener Stadtrecht von 1340 erwähnt eine „pyrgloken“, eine Bierglocke, nach deren Läuten die Schenken zu schließen hatten. Ab 1459 durfte danach niemand mehr ohne Licht auf die Straße.
Die Gurgelabschneiderin
Die Glocke, die heute diesen Dienst versieht, goss Michael Doppler 1546 für den nördlichen Heidenturm des Stephansdoms. 1772 wurde sie umgegossen, seither wiegt sie 530 Kilogramm. Die Wiener tauften sie „Bieringerin“, und weil sie so manchem den letzten Schluck verwehrte, auch „Gurgelabschneiderin“. Ihr Läuten nannte man den „nassen Zapfenstreich“. Wann genau sie schlug, änderte sich übrigens mit den Jahreszeiten und den politischen Verhältnissen.
Glocken mit Namen
Die Bieringerin hat im nördlichen Heidenturm prominente Nachbarinnen: die Kantnerin, auch Stürmerin genannt, die Fehringerin, die Churpötsch, die Feuerin, einst Ratsglocke, und das Chorglöckl, das um 1280 gegossen wurde und als älteste Glocke Wiens gilt. Dass sie alle noch da sind, grenzt an ein kleines Wunder. Als am 12. April 1945 der Dom brannte, stürzte die alte Pummerin in die Tiefe und zerschellte, der südliche Heidenturm brannte aus. Der nördliche blieb verschont und mit ihm die Glocken in ihrem teils mittelalterlichen Glockenstuhl.
Ganz verstummt ist die Bieringerin bis heute nicht: Beim Steffl-Kirtag im Mai läutet sie noch immer die Sperrstunde ein.
Rund um den Steffl
Der Stephansdom steckt voller solcher Geschichten, von den Glocken bis zu den Figuren an der Fassade. Bei unserer Stadtführung Wien Highlights beginnen wir gern hier, und bei der Kulinariktour Wien typisch kehren wir ein, bevor die Glocke schlägt.






