Wer „Wiener Auster“ in eine Suchmaschine tippt, landet selten bei Meeresfrüchten. Gemeint ist meist eine akrobatische Liebesstellung, bei der die Beine hinter dem Kopf verschränkt werden. Warum ausgerechnet Wien für diesen Namen herhalten musste, weiß allerdings niemand so genau, und genau das macht die Geschichte so wienerisch.
Eine Legende ohne Quelle
Gern wird erzählt, die Stellung sei um 1840 in Wien in Mode gewesen und in den Freudenhäusern der Biedermeierzeit besonders gefragt. Belege dafür gibt es keine. Gedruckt taucht der Begriff erst 1972 auf, als „Viennese oyster“ im englischen Bestseller „The Joy of Sex“ von Alex Comfort, ohne ein Wort zur Herkunft. Im Deutschen findet man die „Wiener Auster“ erst seit den 1980er-Jahren. Der Name ist also eher ein Import mit Wiener Etikett als ein altes Wiener Original.
Echte Austern im alten Wien
Austern selbst gab es in Wien sehr wohl, und sie waren begehrt. 1824 warb ein Geschäft mit dem sprechenden Namen „Zur Stadt Triest“ in der Himmelpfortgasse in der Wiener Zeitung damit, stets „frische Austern“ vorrätig zu haben. Sie blieben ein Luxus: Bis ins späte 19. Jahrhundert bestand der Meeresfisch auf Wiener Tischen meist aus Stockfisch und Salzhering. Ein Wiener Kochbuch von 1827 zählt die Auster übrigens zu den „Fischen“, gemeinsam mit Biber und Frosch. Das war praktisch, denn so durfte man sie auch an Fasttagen genießen.
Wie sehr die Austern die Fantasie beschäftigten, zeigt eine Zeitungsglosse von 1835: Das eine Wort „Austern!“ auf einem Ladenschild, spottete sie, schlage zehntausend Theaterplakate aus dem Feld.
Das verborgene Wien
Ob Liebesstellung oder Delikatesse: Die Wiener Auster erzählt davon, wie gern Wien Geschichten um sich spinnt, und wie viel Freude es macht, ihnen nachzugehen. Geschichten hinter den Fassaden sind unser Handwerk. Bei der Stadtführung Wien unbekannt führen wir Sie zu Höfen, Gassen und Anekdoten, die in keinem Reiseführer stehen, und trennen dabei mit Vergnügen die Legende von der Wirklichkeit. Wer es pikanter mag, liest bei uns außerdem über die Grabennymphen des 18. Jahrhunderts.






