Hoch über der Ringstraße steht seit 1882 ein Ritter mit Standarte auf dem Turm des Wiener Rathauses. Die Wienerinnen und Wiener nennen ihn schlicht den Rathausmann, und er ist ein Wahrzeichen mit leichter Schlagseite: Bei Sturm schwankt die Figur um bis zu 25 Zentimeter.
Ein Kunstgriff über der Ringstraße
Als Friedrich Schmidt das neue Rathaus plante, durfte sein Turm die nahe Votivkirche mit ihren 99 Metern nicht überragen. Schmidt hielt sich daran und baute den Turm 98 Meter hoch. Dann setzte er den Rathausmann obendrauf. Mit ihm misst das Bauwerk gut 103 Meter, und ob das noch der Vorgabe entsprach, darüber lässt sich in Wien bis heute schmunzeln.
Kupfer, Eisen und ein Gegengewicht
Den Entwurf lieferte Schmidt selbst, das Modell schuf Franz Gastell, ausgeführt hat die Figur Alexander Nehr: getriebenes Kupfer über einem Eisengerüst. Der Rathausmann ist 3,4 Meter groß, mit Standarte 5,4 Meter, und trägt Schuhgröße 63. Seine Rüstung ist, so die Stadt Wien, jener Kaiser Maximilians I. nachempfunden. Damit er bei Wind nicht aus dem Gleichgewicht gerät, hängt unter ihm im Turm ein kugelförmiges Gegengewicht von 800 Kilogramm.
1985 wurde der Ritter restauriert und bei dieser Gelegenheit kopiert. Das Original kehrte auf den Turm zurück, die Kopie steht seither im Rathauspark, auf Augenhöhe und gern fotografiert. 2019 bekam er Besuch von Fachleuten, die eine Klappe in seinem Bein öffneten und ihm den Helm abnahmen, um nach dem Rechten zu sehen.
Den Ritter von unten entdecken
Das Rathaus mit seinem Arkadenhof, die Votivkirche, die Universität: Die Ringstraße erzählt von einer Stadt, die sich im 19. Jahrhundert neu erfunden hat. Bei einer privaten Tour planen wir den Rathausplatz gern mit ein, etwa bei der Stadtführung Wien Highlights oder bei einer individuell zusammengestellten Tour nach Ihren Interessen.






