Die Geschichte beginnt, wie so viele Wiener Geschichten, mit einer Legende. 1832 soll Fürst Metternich bei seiner Hofküche eine besondere Nachspeise bestellt haben, und weil der Chefkoch erkrankt war, sprang der erst 16-jährige Lehrling Franz Sacher ein. „Dass er mir aber keine Schand’ macht, heut’ Abend!“, soll der Fürst gesagt haben. Das Wien Geschichte Wiki nennt das eine „oft und gerne tradierte Erzählung“ und hält es für wahrscheinlicher, dass die Torte erst in den 1840er-Jahren entstand, als Sacher in Ungarn arbeitete.
Von der Hotelküche zum Demel
Sein Sohn Eduard Sacher soll die Torte während seiner Lehrzeit beim Hofzuckerbäcker Demel weiterentwickelt haben, später gründete er das Hotel Sacher hinter der Oper. Als das Hotel 1934 in Konkurs ging, überließ Eduard Sacher junior das Rezept dem Demel. Damit war der Grundstein für einen der bekanntesten Rechtsstreite Österreichs gelegt.
Der Tortenkrieg
Jahrelang stritten Hotel Sacher und Demel vor Gericht darum, wer sich „Original Sacher-Torte“ nennen darf. 1961 wurde sogar der Schriftsteller Friedrich Torberg als Zeuge geladen, Stammgast in beiden Häusern. Er sagte aus, zu Zeiten Anna Sachers sei die Torte nie aufgeschnitten und mit Marmelade gefüllt worden. 1963 einigte man sich: Das Hotel führt die „Original Sacher-Torte“ mit rundem Schokoladesiegel, der Demel verkaufte fortan die „Eduard-Sacher-Torte“ mit dreieckigem Siegel, heute „Demel’s Sachertorte“. Traditionell unterschieden sich die beiden auch in der Marmelade: Beim Sacher wird die Torte durchgeschnitten und in der Mitte mit Marillenmarmelade gefüllt, beim Demel lag sie klassisch nur unter der Glasur. Inzwischen gibt es auch beim Demel eine Schicht in der Mitte.
Probieren geht über Studieren
Welche Torte Ihnen besser schmeckt, entscheiden Sie am besten selbst, am liebsten mit einem Häferl Kaffee dazu. Bei unserer Kulinariktour Wiener Kaffeehaus gehört die Mehlspeis selbstverständlich dazu, und die Spezialführung zu den Hoflieferanten erzählt von den Häusern, die einst den Kaiserhof belieferten.






