Tresore und Tanzmusik haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. In Wien fanden sie 1869 trotzdem zueinander, und das Ergebnis war sogar schon beim Neujahrskonzert zu hören.
Ein Versprechen aus Stahl
Franz Wertheim gründete 1852 in Wien eine Fabrik für Kassenschränke. Sein Versprechen: feuerfeste Kassen. Um es zu beweisen, ließ er schon 1853 drei Tresore auf einem brennenden Scheiterhaufen stehen, und als die Flammen erloschen waren, war der Inhalt unversehrt. 1857 wiederholte er die Feuerprobe in Konstantinopel, laut Firmenchronik vor den Augen des Sultans und seiner Minister. Ein Jahr später schickte man einen Tresor sogar durch den Brennofen der kaiserlichen Porzellanmanufaktur, bei über 1.000 Grad. Die Papiere darin überstanden auch das.
Ein Fest für den 20.000sten Tresor
Am 13. März 1869 feierte die Firma F. Wertheim & Comp. ihren 20.000sten Tresor in den Sälen der Gartenbaugesellschaft am Ring, mit einem Bankett für 1.200 Gäste. Die Arbeiter speisten an langen Tafeln im Souterrain, die Honoratioren oben, getanzt wurde gemeinsam bis in den Morgen. Den Ball eröffnete Josef Strauss, der Bruder des Walzerkönigs, mit einer eigens komponierten Polka française: „Feuerfest!“, op. 269. In der Partitur verlangt er einen Amboss, und bei der Uraufführung dröhnten die Hammerschläge durch den Saal.
Beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker stand „Feuerfest!“ schon mehrmals auf dem Programm. 2012 schlug Dirigent Mariss Jansons den Amboss persönlich, die Wiener Sängerknaben sangen dazu.
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