Um Kaiserin Elisabeth ranken sich mehr Gerüchte als um fast jede andere Gestalt der Habsburger. Eines der hartnäckigsten: Sisi habe von Fleischbrühe gelebt und sich regelmäßig Kokain gespritzt. Was davon stimmt?
Die Spritze in der Reiseapotheke
Zu Elisabeths Reiseapotheke, einem Kästchen mit 63 Teilen, gehört tatsächlich ein Etui mit der Aufschrift „Cocainspritze“. Kokain galt im späten 19. Jahrhundert als modernes Heilmittel, man verabreichte es etwa gegen Frauenleiden und Schwermut. Die Apotheke begleitete die Kaiserin noch 1898 auf ihrer letzten Reise nach Genf. Wie oft die Spritze benutzt wurde, weiß niemand. Dass Sisi sich „regelmäßig“ selbst Kokain spritzte, ist also nicht belegt. Belegt ist, dass die Kaiserin die Medizin ihrer Zeit nutzte, und die war experimentierfreudiger, als uns heute lieb wäre.
Gewogen wurde täglich
Gut dokumentiert ist Elisabeths Ringen um ihre Figur. Bei 172 Zentimetern wog sie zwischen 45 und 47 Kilo, die Taille maß 51 Zentimeter. Sie stieg täglich auf die Waage, und mit den Jahren wurden ihre Diäten strenger. Der berühmte Fleischsaft, aus Kalb- oder Rindfleisch gepresst, wurde gewürzt und aufgekocht, keineswegs roh getrunken. Die Milch kam von eigenen Kühen aus der Meierei in Schönbrunn. In der Hofburg ließ sie Sprossenwand, Reck und Ringe aufstellen, geturnt wurde täglich, geritten wild und ausdauernd.
Rechnungen der Zuckerbäcker zeigen allerdings auch, dass die Kaiserin Konfekt und Gefrorenes liebte, eine Seite, die in den Legenden gern untergeht.
Sisi aus der Nähe
Wer der Frau hinter dem Mythos näherkommen möchte, findet im Sisi Museum der Hofburg ihre Fächer, Handschuhe und eben jene Reiseapotheke. Bei unserer Führung durch Hofburg und Sisi Museum erzählen wir, was an den Legenden dran ist, und bei der Spezialführung Schönbrunn zeigen wir Ihnen, wo die Kaiserin ihre Sommer verbrachte.






