Es gibt einen Wiener Abend, den ich Freundinnen und Freunden von außerhalb besonders gerne zeige, und er beginnt unscheinbar: an der Roßauer Lände, dort, wo die U4 aus dem Untergrund kommt und der Donaukanal zum ersten Mal ganz nah ist. Von hier aus läuft man flussabwärts, und die Stadt zeigt sich Stationen für Station von einer Seite, die viele Gäste überrascht.
Bunte Mauern und ein Fluss, der arbeitet
Gleich zu Beginn fällt der Blick auf große, dicht bemalte Betonwände. Das ist die Wienerwand, ein Projekt der Stadt Wien: Flächen, die legal besprayt werden dürfen und eine kleine Plakette mit der „Wiener Taube“ tragen. Am Kanal gibt es mehrere solcher Stellen, an der Roßauer Lände, an der sogenannten Rampe zwischen Roßauer- und Augartenbrücke, und bei der Kaiserbadschleuse. Die Bilder wechseln ständig, das ist der Sinn der Sache, und so sieht der Weg an jedem Abend ein Stück anders aus.
Wo man stehen bleibt
Ein Stück weiter, in der Oberen Donaustraße, liegt NENI am Wasser direkt am Kanal, ganzjährig geöffnet, Montag bis Samstag ab 17 Uhr. Wer es ruhiger mag, findet im ehemaligen Otto-Wagner-Schützenhaus etwas weiter flussabwärts eine jüngere Adresse. Doch die verlässlichste Station auf diesem Weg bleibt für mich das Motto am Fluss am Franz-Josefs-Kai, mit einem Café, das täglich von acht Uhr früh bis Mitternacht geöffnet hat, und einer Bar, die je nach Wochentag bis in die frühen Morgenstunden weiterläuft.

Rund um den Schwedenplatz wird der Kanal dann lebendiger. Von Juni bis September treffen sich unter der Schwedenbrücke montags und freitags Menschen zum Salsatanzen, erst ein Workshop am frühen Abend, dann offenes Tanzen bis in die Nacht. Man muss nicht mittanzen, um dem einen Moment zuzusehen. Flussabwärts liegt außerdem das Badeschiff, ein Pool direkt auf dem Wasser mit Bar an Bord, täglich von elf bis ein Uhr geöffnet, und gegenüber, bei der Urania, gibt es ein Restaurant, dessen Dachterrasse allerdings nur an ausgewählten Tagen zugänglich ist, an anderen Abenden lohnt sich der Blick von unten genauso.
Der letzte Halt
Wer bis zum Herrmannpark weitergeht, findet dort die Strandbar Herrmann: Sand, Liegestühle, ein Sommerlokal im besten Sinn, meist bis in den frühen Abend hinein und am Wochenende auch tagsüber geöffnet. Von dort ist es nur noch ein kurzes Stück bis Wien Mitte, wo U3 und U4 den Abend wieder in die Stadt zurückbringen.
Reine Gehzeit sind es etwa 45 Minuten, mit ein, zwei Einkehrstopps wird daraus leicht ein zwei- bis dreistündiger Abend, ganz ohne Eile. Alle Stationen, samt Adressen und einer genauen Wegbeschreibung, haben wir in unserer Empfehlung „Ein Abend am Donaukanal“ zusammengetragen. Und wenn Sie diesen Weg lieber in Begleitung gehen möchten, mit Geschichten zu den Bildern an den Wänden und den Plätzen am Wasser, begleiten wir Sie auch dabei gerne persönlich.
Ihre Martha



