Es gibt Häuser, die man nicht besucht, sondern betritt. Der Demel ist so eines. Die Demelinerinnen in ihren schwarzen Kleidern sprechen noch immer in der dritten Person (“Haben schon gewählt?”), die Torten stehen wie Schmuckstücke in der Vitrine, und hinter der Glaswand wird gezogen, gefüllt und glasiert wie zu Zeiten des Kaisers.
Gegründet 1786 als Zuckerbäckerei gegenüber dem Burgtheater, zog der Demel 1888 an den Kohlmarkt und belieferte den Hof. Sisi ließ sich hier ihre kandierten Veilchen holen, und der Streit mit dem Hotel Sacher um die “echte” Sachertorte beschäftigte sieben Jahre lang die Gerichte. Heute ist der Demel ein Stück Wiener Selbstverständnis: ein bisschen streng, sehr charmant und im Kern süß.
