Wenn in Wien die Tage kurz werden, gehen überall Lichter an. Auf den Adventkränzen brennt Sonntag für Sonntag eine Kerze mehr, und in manchen Jahren fällt der Advent mit Chanukka zusammen, dem jüdischen Lichterfest. 2026 lässt sich das besonders schön erleben: Der erste Adventsonntag ist am 29. November, die erste Chanukka-Kerze wird am Abend des 4. Dezember entzündet. Am 6. Dezember treffen sich dann Nikolo, der zweite Advent und die dritte Chanukka-Kerze an einem einzigen Tag.
Acht Tage Licht
Chanukka dauert acht Tage. Das Wort bedeutet „Einweihung“ und erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem im Jahr 164 vor der Zeitrechnung, nachdem er durch einen Zeus-Altar entweiht worden war. Der Überlieferung nach fand man nur noch reines Öl für einen einzigen Tag, um den Tempelleuchter zu entzünden, neues herzustellen dauerte acht Tage. Das Wunder: Das Öl reichte für alle acht. Deshalb hat der Chanukka-Leuchter, die Chanukkia, acht Arme und dazu einen neunten für den Schamasch, die „Dienerkerze“, mit der die anderen angezündet werden. Jeden Abend kommt ein Licht dazu.
Weil das Öl im Mittelpunkt steht, isst man zu Chanukka gern in Öl Gebackenes, Latkes etwa oder Krapfen. Auch in Wien ist das Fest zu sehen: In der Innenstadt beim Stephansplatz wird in der Chanukka-Zeit eine große Chanukkia entzündet. Chanukka Sameach!
Vom Wagenrad zum Adventkranz
Der Adventkranz ist jünger, als man denkt. Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern zündete 1839 im Rauhen Haus in Hamburg, einem Heim für Kinder aus armen Verhältnissen, einen hölzernen Ring in der Größe eines Wagenrads an, mit bis zu 24 Kerzen, für jeden Tag bis Weihnachten eine. So lernten die Kinder nebenbei auch zählen. Tannenzweige kamen erst ab 1860 dazu, und aus dem großen Rad wurde nach und nach der Kranz mit vier Kerzen, den wir heute kennen. Das immergrüne Reisig steht für die Hoffnung, dass nach dem Winter wieder Frühling wird.
Krippenspiel mit Hintergedanken
Besinnlich ging es im alten Wien nicht immer zu. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts pilgerte man in die Vorstadt zur „Frau Godl“, Barbara Müller, deren mechanisches Krippentheater in der Lerchenfelder Straße Alt und Jung begeisterte, samt einem Hanswurst, der das Geschehen kommentierte. Ein Zeitgenosse beklagte sich in einem Gedicht, dass sich manche nur deshalb in die hinteren Reihen drängten, um dort ungestört die Liebste zu treffen. Joseph II. ließ die Krippen 1782 sogar aus den Kirchen verbannen, erst 1804 durften sie zurückkehren.
Advent in Wien erleben
Ob Chanukkia oder Adventkranz, Punschstand oder Adventkonzert: Im Dezember ist Wien eine Stadt der Lichter und der Geschichten. Unsere Tipps für Christkindlmärkte, Konzerte und Ausstellungen finden Sie im Beitrag Advent in Wien 2026. Und wer das jüdische Wien kennenlernen möchte, ist bei unserer Spezialführung Jüdisches Wien richtig.






